Obsteinsatz Gut Sambach - September 2012

Wie versprochen, berichte ich euch nun von meiner ersten Woche in Thüringen auf dem Demeterhof  "Gut Sambach" mit der Apfelsternwarte.

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Wie auf meiner Facebookseite bereits in Kürze angeschnitten, versucht dieses Projekt derzeit, eine Obstbaugemeinschaft zu gründen, so dass man für einen festen, monatlichen Beitrag, und einem ca. 1x jährlichen Obsteinsatz direkt auf dem Gut, eine ganze Jahresration an verschiedenen alten Apfelsorten, inkl. frisch gepresste Direktsäfte dafür erhält. Es ist günstig, die Qualität ist Bestens, und man weiß genau, woher das Ganze kommt und was drin ist. Eine recht feine Sache. Der Simon von der Apfelsternwarte hat in den letzten Jahren eine Gemüsebaugemeinschaft gegründet und geleitet, die ganz ähnlich funktioniert. Inzwischen kümmern sich Andere um dieses Projekt, und er widmet sich nun ganz seiner eigentlichen Leidenschaft - die Äpfel! Erste Infos über die Apfelsternwarte und der Probleme im heutigen Obstanbau gibt es unter www.apfelsternwarte.de

Gut Sambach findet ihr bei www.gut-sambach.de

 

Gut Sambach verfügt über ca. 300 Hektar Land auf dem ca 1000 Obstbäume, vorallem Apfelbäume, aber auch ein paar Kirsch-, Mirabellen-, und Pflaumenbäume verstreut wachsen. Die Bäume sind allesamt verwahrlost und ungepflegt, da sich die Arbeit damit einfach nicht mehr rentiert. Für einen Sack Äpfel bekommt man ein paar Cent, dafür lohnt die Mühe einfach nicht. Deshalb ist der Hof regelrecht froh, dass da Einer daher kommt und sich um die Bäume kümmern will. Dafür dürfen wir also ernten, wie unser Herz begehrt, das ist das Abkommen mit Gut Sambach.

Ich muss zugeben, dass die Woche nicht unanstrengend für mich war. Es war mir gänzlich neu, dass ich abends um 21-22 Uhr in die Federn fiel und sofort einschlief, auch war mir neu, dass ich ohne Wecker morgens meistens gegen sieben Uhr wach wurde. Und ich habe schon wirklich lange keinen Sonnenaufgang mehr erlebt. Das war Eines der schönsten Dinge diese Woche, wenn ich es mir genau überlege. Jeden Morgen stand ich zähneputzend am Badezimmerfenster, unter mir die muhenden Kühe bei ihrem morgendlichen Freilauf, und vor mir wundervollste Sonnenaufgänge. Wow!

Wir kamen Sonntag Abend an und richteten uns erstmal ein. Am nächsten Morgen gab es für mich erstmal einen Rundgang über den Hof, nach dem Mittagessen wanderten wir quer durchs Land und klapperten einige der Bäume ab, die zum Gut gehören. Wir sammelten ein paar Früchte und ich bekam erste Infos über Äpfel. Insgesamt habe ich Einiges über Obstbäume und Äpfel gelernt (von Simon konnte ich aber auch sonst Einiges dazu lernen, was ich noch nicht wusste). Ich habe mich die Woche darin geübt, die verschiedenen Merkmale der Äpfel und Bäume zu erkennen und einzuordnen, was mir natürlich anfangs garnicht gelang - sie sahen einfach fast alle gleich aus!!! Nach 2-3 Tagen jedoch bemerkte ich einige Unterschiede und ich hatte tatsächlich erste Erfolge im Unterscheiden und Wiedererkennen! Ich lernte auch etwas über das richtige Schneiden von Apfelbäumen, was unerlässlich für gutes Wachstum und prächtige Erträge ist. Ich hatte bis dahin auch nicht gewusst, dass es mehrere Hundert Sorten an Äpfeln gibt. Im Laden kann man höchstens 4 Sorten kaufen, erstaunlich! Wir kartierten dann die meisten Tage uns unbekannte Apfelsorten (mir waren sie natürlich alle unbekannt, bis auf Boskop^^), damit Simon diese zu einem professionellen Bestimmer geben kann. Dazu sammelten wir von allen Bäumen, die wir nicht einordnen konnten, Proben, gaben dem Baum jeweils eine Nummer und es gab Fotos und eine Liste, in der Nummer, Standort, Merkmale, und dergleichen festgehalten wurde. Insgesamt 48 verschiedene Sorten haben wir so eingesammelt und kartiert.


Neben meinem "Apfeljob" ging ich mit offenen Augen umher und begutachtete den Demeterhof. Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen und heile Welt gewesen, dennoch bei Weitem positiver, als in den ganzen Artikeln und Reportagen immer verbreitet wurde, vorallem in letzter Zeit. Ich denke, ab einer gewissen Größe ist es nicht mehr möglich, alles vollkommen 100%ig richtig zu machen. Abstriche wird man immer machen müssen. Gut sambach versucht jedoch sein Bestes, um im Einklang mit der Natur und in einem"... fast geschlossenen Kreislauf vom Boden, über die Pflanze, zum Tier oder zur Energie und zurück zum Boden..." zu leben und zu arbeiten, was ihnen ganz gut gelingt, denke ich. Kleine Höfe bringen nun mal kaum Ertrag bei noch mehr Arbeit (für den Einzelnen). Wenn wir ehrlich zueinander sind, möchte Niemand von uns Tag ein Tag aus ohne Urlaub,einen Hof führen und daran gefesselt sein. Jeden Tag morgens um 5 aufstehen, arbeiten und abends in die Falle fallen. Deshalb gibt es kaum noch kleinere Höfe und die jneue Generation will so nicht mehr leben. Gut Sambach hält Kühe, Schweine, kooperiert mit einer Hühnerfarm, betreibt eine Gärtnerei, einen Kräutergarten und baut neben Obst und Gemüse auch Getreide wie Roggen und Gerste an. Hauptanbau an Getreide stellt jedoch das Einkorn dar, welches sehr interessant für mich geworden ist. Bisher ist dieses Getreide noch in ursprünglicher Form vorhanden und wurde nicht verzüchtet und verkreuzt, wie es vorallem beim heutigen Hochleistungsweizen ist. Manche erinnern sich vielleicht daran, dass ich von der Häufung einer seltsamen, nicht zu diagnostizierenden Glutensensitivität berichtete, die die Ärzte und Wissenschaftler vor ein Rätsel stellte. Heraus stellte sich dann, dass Vielen nicht das Gluten die typischen Symptome bereitete, sondern das natürlich vorkommende Insektenabwehrprotein Ati (Adenosin-Triphosphat-Amylase), welches die letzten 10 Jahre immer stärker hochgezüchtet wurde. In der Rubrik "Visuelles" --> "Filme" findet ihr zwei Mini-Reportagen mit ersten Infos zum Thema.


Es gab von außen auch eine Bio-Hühnerfarm für mich zu sehen, die in Kooporation mit dem Hof agiert. Auch hier gibt es Probleme, die mit der Größe zusammen hängen, wie ich oben schon anschnitt. Bilder dazu findet ihr in der Rubrik "Visuelles" --> "Bildergallerie". Aber wirklich hart hat es mich getroffen, als ich die Gelegenheit hatte, mir von einer unbedarften Frau eine nahe gelegene konventionelle Truthahnfarm zu besichtigen. Diesem Erlebnis möchte ich einen eigenen Eintrag widmen, dazu brauche ich noch Zeit. Irgendwie muss das Ganze noch sacken. Leider habe ich mich nicht getraut, Fotos zu machen. Ich denke, da wäre ich schneller wieder draußen gewesen, wie ich herein gekommen bin. Dazu später mehr.

Nun zurück zur Hühnerfarm. Auch hier sind die Ärsche der Hühner nackig gewesen und ich habe mich erkundigt, wieso dem eigentlich so ist, trotz Bio, Freilauf und alles. Das Problem liegt in der Größe der Hühner-Herden. Bei 3000 Hühnern funktioniert die Herde nicht mehr und sie picken sich gegenseitig. Laut dem Geschäftsführer wäre eine funktionierende Herde ohne diese Probleme ab 200 möglich. Simon spricht sogar von nur 50 Tieren. Und da wären wir wieder beim Thema. Wer hält heute schon 50 Hühner und kann davon leben? Es ist also utopisch, auf gesetzliche Veränderungen zur maximalen Herdengröße zu hoffen, um damit Verbesserungen zu erreichen. Von diesem Wunschvorstellungen müssen wir uns wohl leider trennen, wenn wir nicht gerade in der Lage sind, wirklich von einem kleinen Hof unseres Vertrauens Eier und Hühnerfleisch kaufen zu können (die Wenigsten von uns werden diese Möglichkeit haben), oder gar eigene Hühner halten. Ich weiß nicht, wie sowas im großen Stil für die ganze Welt funktionieren könnte.

Nun aber zu etwas Schönerem wieder :-)
Für Donnerstag wurde ich eigentlich zum wöchentlichen Käsen eingeladen, habe dort aber Niemanden gefunden, als ich zur verabredeten Zeit vor verschlossenen Türen stand. Auf der Suche nach der Käserin fand ich sie im Hofladen. Der Ladenverkäufer kam viel zu spät und das Chaos brach aus. Sie musste dort einspringen. Ich bot meine Hilfe ebenfalls an. Da ich mir den Nachmittag zuvor den rechten Knöchel leicht angeknickst hatte, war eine kleine Apfelpause nicht das Schlechteste fürs Erste, damit der Fuß sich gut beruhigen konnte. So schichtete ich frische, rohe Rostbratwürste auf, außerdem schnitt, verpackte und beschriftete ich Käse. Es war ein schöner Vormittag und hat mir richtig Spaß gemacht. Später sind wir dann zumindest noch in die Käserei gegangen, um Milch für eine andere Käserin zu pasteurisieren, die die Käseküche mitbenutzen darf. Sie zeigte mir alles und erzählte mir zumindest in der Theorie etwas über die Käseherstellung und versprach mir, dass wir das Ganze ein Andermal nachholen werden (ich habe nämlich vor, wieder mitzufahren).

Ziemlich spät am Freitag, nachdem wir durch die Truthahnfarm, und neu entdeckte Apfelbäume völlig von unserem ursprünglichen Plan abgekommen sind, im "Stadtgarten", einer zum Hof angrenzenden Obstwiese, den Grafensteiner Apfel (Einer der ältesten Sorten!) zu ernten, haben wir dann auch noch wunderschöne, alte Birnenbäume entdeckt, die so schwanger an reifen Früchten waren, dass sich die Äste geradezu bogen! Wir haben gepflückt und geerntet bis wir in der Dämmerung nichts mehr sehen konnten und ich habe mich an ihnen gelabt. Eine Kiste davon habe ich für mich mitgenommen. Oh, wie lecker und saftig die waren!!! Hagebutten habe ich dort ebenfalls gepflückt und gestern zu Hägenmark (Hagebuttenmus) verarbeitet. da freu ich mich drauf.
Am Samstag war es dann soweit, meine Zelte wieder abzubrechen. Einerseits war ich froh, mal wieder nachhause zu fahren und auszuschlafen, aber die Wehmut packte mich doch irgendwie. Zum Glück darf ich bald wieder hinfahren! Ich sammelte noch ein paar Ableger für meinen Garten, wir packten unsere Ernte, sowie unsere Apfelproben um und ein, aßen noch schnell zu Mittag (es gab Birne^^), und kamen dann schlußendlich mit ca. 3 Stunden Verspätung los. Nun habe ich doch etwas Schwierigkeiten in meinen städtischen Alltag wieder zu finden, muss ich gestehen.
Aber das wird mich wohl schneller wieder einholen, wie mir lieb ist :-) Soweit, so gut, ich hoffe, ich habe nichts Wichtiges vergessen.

Habt ihr Fragen? Nur zu!

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